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Unsere Rede zu Esther Bejarano, auf der Kundgebung zur Befreiung von Auschwitz

Internationalistische, Antifaschistische, Antikapitalistische und Antiimperialistische Jugendgruppe aus Hamburg

Unsere Rede zu Esther Bejarano, auf der Kundgebung zur Befreiung von Auschwitz

Am letzten Donnerstag (27.01.2022) nahmen wir an der Kundgebung von Waterkant Antifa teil, um der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, durch die Rote Armee, zu Gedenken und unterstützten dieses mit einem Redebeitrag zu der, im vergangenen Jahr verstorbenen, Antifaschistin Esther Bejarano: „Ihr habt keine Schuld an dieser Zeit. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt. Ihr müsst alles wissen, was damals geschah. Und warum es geschah.“
wer kennt dieses Zitat von Esther Bejarano nicht.

Letztes Jahr verstarb diese großartige Antifaschistin im Kreise ihrer Familie. Sie hinterließ ein antifaschistisches Erbe wie selten Andere! Sie gab ihr Leben für den antikapitalistischen und antifaschistischen Kampf! Sie motivierte und prägte viele, viele Aktivist:innen für ihre Arbeit und war selber bis zu ihrem Tod aktiv!

Ester Bejerano wurde 1924 in Saarlouis geboren. Mit 18 Jahren wurde Ester nach einem ihrer vielen Umzüge, diesmal nach Berlin, von den Nazis in einem Blumenladen zu Zwangsarbeit gezwungen, nachdem eine Auswanderung der Familie nicht gelang, weil das Auswanderungslager durch Kriegsausbruch schloss!

Nachdem die  Bestimmungen für die Zwangsarbeit immer schärfer wurden,  wurde das Lager von Esther geschlossen und sie wurde über Umwege nach Auschwitz deportiert.

Im KZ Bestand ihre Arbeit wie die von so vielen Mithäftlingen im Steine tragen. Weil sie den Kommandanten ab und zu etwas vorsang schlugen diese sie für den im Aufbau befindenden Mädchenchors vor. Dort sollte sie das Akkordeon spielen.  Da sie das Instrument allerdings nicht konnte brachte sie es sich, innerhalb kürzester Zeit, selber bei und entging so der Gaskammern und der Hinrichtung!

Als sie nach einer langen Bauchtyphus Krankheit von der Krankenstation wieder ins Lager kam war ihr Platz am Akkordeon bereits widerbesetzt worden, weshalb sie dort beinahe ihren Platz verloren hätte, wenn sie nicht auf Flöte gewechselt wäre.

Ende 1943 wurde Ester mit etwa 70 anderen Häftlingen nach Ravensbrück verlegt wo sie Zwangsarbeit für die Firma Siemens verrichten musste.

Schon damals zeigte Sie wie mutig und entschlossen sie war, die Nazis zu stürzen: sie sabotierte mehrmals die arbeiten und verhinderte so einen gewünschten Ablauf und funktionierende Produkte!

Als der unausweichliche Sieg über die Nazis näher rückte wurde sie ebenfalls auf einen Todesmarsch geschickt, bei dem es ihr aber, mit ein paar ihrer Freundinnen, geling zu fliehen!

Nach dieser grauenvollen Zeit reiste sie nach Israel aus wo sie sich in einem Arbeiterchor engagierte und auch in den Künstlerverband versuchte einzutreten, was ihr allerdings wegen ihre Kommunistischen Ansichten verwehrt blieb!

Nachdem sie 1960 zurück nach Deutschland gezogen war engagierte sie sich weiter politisch in der VVN-BDA wo sie 2008 zur Ehrenvorsitzenden ernannt wurde!

1986 gründete sie mit anderen Überlebenden das Auschwitz Komitee für die BRD welches sich dem Schwur von Buchenwald: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ verpflichtet sieht!

Sie hielt Vorträge an Schulen, in ehemaligen KZ‘s und auf Kundgebungen – bis ganz zum Schluss!

Die Nazis ermordeten ihre Familie in Kowno und Esthers Schwester im Dezember 1942 in Auschwitz. Sie selbst entkam dem Tod nur, weil sie in das Mädchenorchester eintrat. 

In ihrem Sinne und Geiste führen wir ihren Kampf weiter. Sie sagte richtig: „Wer gegen die Nazis kämpft, kann sich auf diesen Staat überhaupt nicht verlassen“ wir sind es ihr, allen Ermordeten, den Überlebenden und  der Welt schuldig den Kampf fortzusetzen!

Esther wir ehren deinen Kampf und dein Erbe! Du bist nicht vergessen! Dein Kampf lebt in uns weiter!

Nie wieder Krieg!

Nie wieder Faschismus!

Tod dem Antisemitismus!