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Das Patriarchat

Internationalistische, Antifaschistische, Antikapitalistische und Antiimperialistische Jugendgruppe aus Hamburg

Das Patriarchat

Das Patriarchat ist ein Jahrtausende altes System, dass aus dem griechischen übersetzt „Vaterherrschaft“ bedeutet. Das Leben in Familienbünden mit der monogamen Ehe, wie wir es heutzutage kennen, ist eine vergleichsweise neue Lebensweise.
Bis vor ungefähr Tausend Jahren lebten die Menschen in Horden die ihnen Sicherheit ermöglichten und als Gemeinschaft das Überleben sicherten. Die meisten Forscher*innen sind sich einig, dass mit Beginn der Landwirtschaft auch die Monogamie ihre Sternstunde hatte. Monogamie beschreibt, eine inklusive emotionale und sexuelle Beziehung zwischen zwei Personen. Im Laufe des letzten Jahrtausends formte sich eine neue Arbeitsteilung und dementsprechend Geschlechterrollen.
In diesen Horden, die Menschen gebildet hatten, wurden Besitze meist über die Mütter vererbt, weil die Abstammung der Kinder bei ihnen sicher festgestellt werden konnte. Im Gegensatz zum Vater, denn den sexuellen Partner zu wechseln war eine Regelmäßigkeit und oft konnte der Vater gar nicht bestimmt werden. Auch Gruppensex war keine Seltenheit. Grundsätzlich wurde die Beute und die gemeinschaftlichen Aufgaben (z.B. Kindererziehung) aber in der Horde geteilt. Erst mit der Weiterentwicklung der Monogamie und der Ehe entstand eine ausgereiftere Form der Arbeitsteilung in Nahrungsbeschaffung und Haushalt. Allerdings ist die lebenslange Monogamie eine kulturelle Erfindung der Menschheit. Durch das Landwirtschaften, den Anbau von Nahrung und das Halten von Tieren wurden die Menschen sesshaft. Dies ermöglichte es von den überlebenswichtigen Horden zu größeren Gemeinschaften überzugehen. Im Laufe dieser Entwicklung nahm die Rolle des Erbes von Vieh oder Feldern eine neue Bedeutung an. Auf einmal wurde es wichtig, welches Kind zu wem gehörte. Dadurch sind Frauen zu einer Art Besitztum geworden, denn es war von nun an wichtig ihre Sexualität zu kontrollieren, um die Abstammungslinien zu sichern.
Die Frauen übernahmen (vermutlich auf Grund ihrer Schwangerschaften) die Arbeit im Haus und die Erziehung der Kinder. Durch diese beiden Punkte, entwickelte sich ein System, in den zwangsläufig die Frau von ihrem männlichen Umfeld (Väter, Brüder, Ehemänner, Klerus, Cousins) unterjocht wurde. Nach und Nach konnten die Männer sich das Eigentum (der Familie und Gesellschaft) aneignen und die Frauen von ihnen abhängig machen. Auch Religion und die Kirche spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle, denn sie zog die moralischen Ansprüche an die Geschlechter fest und als machtvolle Institution legitimierte sie diese unter dem Deckmantel „Gottes“. Die Heirat (und damit die Monogame Familie), die durch die Kirche erfolgte, ist bis heute ein Mittel die Frau unter die Kontrolle männlicher Herrschaft zu bringen. Die Frau war zur Monogamie verpflichtet, musste ihre Jungfräulichkeit für den Mann bewahren und hatte im Falle einer Vergewaltigung die Schuld selber zu tragen. Die Familie ist in erster Linie die Institutionalisierung weiblicher Arbeit und der daraus resultierenden Abhängigkeit an den Mann. Familie wird immer wieder als privater Welt verherrlicht, obwohl sie extrem politisch organisiert und geführt wird!

Heute tritt die Politische Macht des Vaters also an die Stelle der Beuteteilung in Horden, wie es früher war.

Da durch die Monogamie mittlerweile die Vaterschaft genau bestimmt werden kann, und Frauen mit der Zeit ihrer Rechte (zum Beispiel der sexuellen und romantischen Freiheit) entmachtet wurden, bot das mittlerweile entstandene Patriarchat die ideale Basis für die Geschlechterteilung im Kapitalismus. Im Kapitalismus erlang die Unterdrückung der Frau eine neue Stufe der Aggression. Zum einen durch die Unterdrückung durch Lohnarbeit, aber auch durch die Unterdrückung auf Grund des Geschlechts und daraus folgender patriarchaler Gewalt. Patriarchale Gewalt ist also systematisch. Patriarchale Gewalt bedeutet sexuelle Gewalt, häusliche, körperliche Gewalt und ökonomische Gewalt.

Der kapitalistische Staat hat ein Interesse darin die Unterdrückung der Frau in Stein zu meißeln. Der Kapitalismus hat die Fähigkeit die Unterdückungsformen zu verändern und zu verschieben. So war früher die Arbeitsteilung in Haushalt und „Geld verdienen“ für den Kapitalismus profitabel. Als die Forderung der Frauen, nach dem Recht arbeiten zu gehen, laut wurde, schuf der Kapitalismus eine neue Art der Ausbeutung von Frauen. Die Arbeit von Pflege und Erziehung, die die vorher größtenteils zu Hause verrichtet wurde, wurde nun zu Berufen, aus denen wiederum ein Mehrwert gezogen werden konnte. Durch die Institutionalisierung von Erziehung in z.B Kindertagesstätten konnten, nun in großer Masse, kapitalistische Denkmuster bei den Kindern verankert werden. Gleichzeitig stillte man die Forderung der Frauenbewegung, nach Arbeit und „Unabhängigkeit“. Natürlich ergab sich durch Arbeit eine Möglichkeit für Frauen in Stücken unabhängiger von ihrem Ehemann zu leben, dennoch ist diese auch immer nur eine kapitalistische Illusion geblieben. Eine Arbeit (entlohnt) anzunehmen, ist für Frauen längst keine Erlösung von Hausarbeit. Der Lohn von Frauen ist bekanntlich oft niedriger als der von ihren männlichen Kollegen und auch generell ergab sich durch die Arbeit von Frauen eine Situation in der nun der Lohn insgesamt gedrückt werden konnte. Silvia Federici bringt es gut auf den Punkt: „Die Tatsache, dass wir keinen Lohn für Hausarbeit bekommen, ist auch der zentrale Grund für unsere Schwache Position auf dem Lohnarbeitsmarkt.“ Kapitalisten wissen, dass Frauen es gewohnt sind umsonst zu arbeiten (zu Hause) und nutzen dies als Schlupfloch sie geringfügig zu bezahlen.
Aus der Position der Arbeitgeber bleibt pflegerische, erzieherische Arbeit also weniger wert, weil sie weniger Mehrwert erbring. Eine solche Arbeit wird auch als Reproduktionsarbeit bezeichnet, denn sie dient den Lohnarbeitenden physisch, emotional und sexuell zur Verfügung zu stehen – sie also für den nächsten Tag fit zu machen. Federici stellt fest: „ Die gesellschaftliche Schwäche der Nicht-Entlohnten ist die Schwäche der gesamten Arbeiter:innenklasse“! Wir müssen uns also als Bewegung dagegen stellen!

Der Kapitalismus wird immer bis zu einer gewissen Grenze unseren Forderungen nach kommen, da er uns zum reproduzieren, produzieren und konsumieren braucht. Reformismus ist aber nicht die Lösung für unsere Probleme. Auch heute streicht der Kapitalismus sich rosa an, durch zum Beispiel Parteien wie die Grüne. Wir dürfen uns nicht irritieren lassen von den „Freiheiten“ die der Staat uns ab und zu gewährt, denn im Hinterkopf wissen wir, dass Kapitalismus und Patriarchat Hand in Hand gehen. Der Sexismus ist wie alle anderen Unterdrückungsformen ein Mittel die Arbeiter:innen zu spalten und so aktiven Widerstand zu verhindern! Das Geschlecht führt zu einer Arbeitsteilung in der Bevölkerung (soziale/ industrielle Berufe), und soll so eine Einheit der Geschlechter in der Lohnarbeit verhindern. Wo Frauen doch vermeidlich Emanzipation erlangt hatten, waren sie in Wahrheit immer noch ökonomisch abhängig von ihrer Ehe, denn sie waren zum Beispiel nicht Sozialversichert. Die Unterdrückungsformen ändern lediglich ihr Aussehen. Die Befreiung kann also nicht im Kapitalismus verwirklicht werden.

Wie bereits erklärt: Das Patriarchat ist zwar mit den Kapitalismus verknüpft und ist eine Symbiose von der beide Systeme nur profitieren, allerdings wird das Patriarchat auch über den Kapitalismus hinaus existieren. Aus diesem Grund brauchen wir eine sozialistische Perspektive, denn nur im Sozialismus, in dem die Einteilung der Klassen und andere Unterdrückungen endlich platt gemacht werden, kann der Grundstein gelegt werden, um das Patriarchat zu zerschlagen!

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