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Ein Kommentar zur Deep und Deutlich Sendung mit Huschke Mau

Internationalistische, Antifaschistische, Antikapitalistische und Antiimperialistische Jugendgruppe aus Hamburg

Ein Kommentar zur Deep und Deutlich Sendung mit Huschke Mau

Vor 4 Tagen hat die Talkshow „Deep und deutlich“ ein Video hochgeladen in dem Huschke Mau zu ihrem Buch und ihren Prostitutionserfahrungen befragt werden sollte.
Huschke Mau hat vor Ende ihrer Redezeit das Studio verlassen, weil sowohl von anderen Gästen als auch der Moderation unsensible Kommentare und Argumente gebracht wurden. Was hier passiert ist, ist das Übertönen einer Person der eigentlich Raum geboten werden sollte, über ihre eigenen Erfahrungen, aber vor allem auch über das frauenfeindliches System, das hinter der Prostitution steht, zu sprechen. In den Medien wird Prostitution überwiegend versucht als „selbstbestimmte Sexarbeit“ dargestellt zu werden und verdrängt dadurch den Gegenpol der die gesellschaftlichen Konsequenzen beleuchtet und fordert Sexkauf zu verbieten. Dies ist auch hier wieder einmal passiert. Anstatt privilegierten Menschen (die im Gegensatz zu Huschke offensichtlicherweise keine fundierte und gesamt gesellschaftliche Analyse bieten) die Medienpräsenz zu überlassen, sollten wir denen eine Stimme geben, die über die Gewalt und über den Sexismus der in der Prostitution produziert wird, wissen.

Wir wollen diesen Vorfall deswegen ganz kurz und grob kommentieren:

Die Erzählung Prostitution sei eine Dienstleistung und Job wie jeder andere, mit der sich Huschke Mau in der Sendung rumschlagen muss, zeigt erneut, dass ein Großteil der Gesellschaft eines noch nicht verstanden hat: Prostitution ist Gewalt! Damit ist tatsächlich nicht die reelle körperliche und psychische Gewalt gemeint, sondern eine systematische Gewalt.

Wie Huschke Mau in der Show erklärt: Bei

der Debatte um Prostitution geht es nicht nur um eine Debatte der Freiwilligkeit oder der Unfreiwilligkeit. Es geht darum, für was für ein Frauenbild und eine Art von Sexualität wir als Gesellschaft einstehen wollen. Durch Prostitution wird Männern suggeriert, dass es in Ordnung sei einen Frauenkörper zu mieten oder kaufen. Es wird suggeriert, dass es in Ordnung sei Frauen(körper) für die eigenen Bedürfnisse auszunutzen und sich über sie hinweg setzten. Auch die Frauen die sich „freiwillig“ (das heißt ohne jeglichen finanziellen, psychischen oder anderweitigen Druck) prostituieren, suggerieren dieses Bild.

Dies hat eine Auswirkung auf das Bild auf alle Menschen die „weiblich“ aussehen. Es bedeutet, dass junge Männer lernen, dass Sex ohne Einvernehmlichkeit in Ordnung ist. Sie lernen, dass sie Frauen sexuell auszubeuten und ihre Bedürfnisse über die von Frauen zu stellen dürfen. Sie haben das Privileg über Frauenkörper zu verfügen. Das lernen sie auch, wenn sie zu einer „Sexarbeiterin“ gehen, die alles komplett freiwillig macht! Frauenkörper sind verkapitalisiert und werden durch Prostitution wortwörtlich zu Ware. Auch hier spielt die vermeintliche Freiwilligkeit wieder keine Rolle, denn eine freiwillig „Arbeitende“ wird genauso zur Ware wie eine Zwangsprostituierte.

Oft wird argumentiert, dass doch nichts gegen „Sexarbeit“ sprechen würde wenn die Frau dies freiwillig tun würde, und dass man den Frauen nichts verbieten dürfe. Das ist richtig, man

sollte den Frauen diese Tätigkeit nicht verbieten, denn sie sind nicht in der Verantwortung.

In der Verantwortung stehen die Freier, die Frauen kaufen, Menschenhändler und Zuhälter. Es sind diese Gruppen die ein Frauenfeindliches System aufrecht erhalten

und ein (kapitalistisches) Interesse an diesem Markt haben und deswegen krimiminalisiert werden sollen. Menschen sind keine Ware! Auch in der Talkshow wird Prostitution als „Dienstleistung“ bezeichnet. Dies ist allerdings nicht so. Prostitution ist keine Dienstleistung, denn wäre es eine, wäre es vollkommen egal, ob ein 65 Jahre alter Sack oder eine junge, kurvige Blondine den Blowjob durchführt.

Doch dem ist nicht so. Die Frauen werden nach Kriterien (wie Brüste, Gesicht, Arsch, Rasur) ausgesucht, gekauft und im nachhinein in Freierforen bewertet (wie bei Stiftung Warentest). Auch hier wieder: Das gleiche gilt für (vermeitlich) emanzipierte „Sexarbeiterinnen“

Auch die werden aufgrund ihres Körpers gebucht. Wer also diese Argumentation verwendet, rechtfertigt, ein männliches Privilileg zur Erhaltung des Patriarchats.

Hier ein Ausschnitt aus dem Buch von Huscke Mau „Entmenschlicht – Warum wir Prostitution abschaffen müssen“, der es gut auf den Punkt bringt: 

„Eins sollte keine und keiner von denen die Immer wieder predigen, Prostitution sei „Sexarbeit“ und ein Beruf wie jeder andere, eine ganz normale Dienstleistung, je vergessen:

Wenn wir uns als Gesellschaft dafür entscheiden, dass Sex Arbeit ist, müsste man Prostitution auch dir auf dem Arbeitsamt als Jobangebot unter-

breiten dürfen, und außerdem wird jeder Typ, der dir nachts auf der Straße hinterherpfeift und ruft: „Ey Süße, willste ficken?“ keine sexuelle Belästigung begangen, sondern einfach nur ein Jobangebot gemacht haben.“

-HUSCHKE MAU

Das Huschke Mau in der Talkshow „Deep und deutlich“ der Maßen in die Ecke gedrängt wurde und ihr Dinge wie Vergewaltigungsverharmlosung an den Kopf geworfen wurde, zeigt erneut mit was für starken Gegenwind Betroffene in der Öffentlichkeit rechnen müssen! Es ist ein Muster Betroffene als individual Erfahrung oder gar Einzelfall darzustellen, anstatt die systematische Gewalt anzukreiden. Unsere Aufgabe als Linke ist es diese Muster zu enttarnen und revolutionäre Ideen entgegen zu steuern!

Wir wollen in einer Gesellschaft leben in der nicht mit Menschen gehandelt wird, in der Frauen auf allen (gesellschaftlichen) Ebenen gleichberechtigt sind!